Tulln Triathlon | Foto: Klaus Tesar/Tulln Triathlon
Elke Schiebl bloggt

Elke Schiebl: C wie Krise statt A-Bewerb

Ich vermisse die Menschen, mit denen ich mein Hobby teile, die dieselben Interessen haben und die ich bei diversen Wettkämpfen sah. In spätestens einer Woche wäre es wieder losgegangen! Solche Schwimmstarts wird’s so bald noch nicht geben, aber wir können ja in der Zwischenzeit mit dem Freiwasserschwimmen anfangen!

Mein Blogpost vom November: Gerade las ich die Überschrift eines fb-Artikels: mit 73 Jahren den 400. Triathlon bestritten. Ich bin 53 und habe 106 Triathlons absolviert. Was sind schon 17 Triathlons weniger auf ein Leben gemessen – werden es halt nur 349 Triathlons im Leben werden!

Und dennoch: 2020 wird mir einen Strich durch die Triathlonrechnung machen, genauso, wie C wie Krise allen einen Strich durch die Rechnung machen wird. Es ist schon schwer, wenn du wettkampfsüchtig bist und dich maximal deine Pulsuhr für diverse Zielsprints lobt. Doch ein wenig bietet die Krise auch Gelegenheit, innezuhalten und Sachen zu überdenken. Genauso, wie jetzt bei vielen der Keller entrümpelt wird, wird auch dein Wettkampfkalender entrümpelt. Und wie glücklich kannst du dich schätzen, wenn du mit Triathlon a.) nicht deinen Lebensunterhalt verdienst und b.) es sich trotz allem nur um ein Hobby dreht.

Mag ich überhaupt in der Frequenz der letzten sieben Saisonen (2013-2019) weitermachen? Es ist nun also der ideale Zeitpunkt, um den Kalender aus der Tasche zu holen und einen Wettkampfplan für das Jahr 2021 aufzustellen. Jetzt, wo du vielleicht doch ein wenig mehr Zeit dafür hast und nicht hin- und hergerissen bist zwischen Kochen, Putzen, Kindern, Schule, Volkshochschule, email, whatsapp uvm. Seit einigen Wochen sind schon mehr als 50% der ausgeschriebenen Rennen bedauerlicherweise abgesagt worden. Es ist eine traurige Zeit für Menschen, die sich beruflich dafür „aufopfern“.

Genauso, wie ich logistisch einen Triathlon viel interessanter als einen Laufbewerb empfinde, ist ein Triathlon für den Veranstalter eine logistische Herausforderung, vom Finanziellen ganz zu schweigen. Hut ab!

Aus einigen abgesagten Österreichrennen werden wir jetzt einen Österreichkurzurlaub machen. Immerhin ist eine meiner beiden Mitteldistanzen in Tirol schon abgesagt bzw. auf 2021 verschoben worden. So leid es mir tut, wir haben diese Events immer mit Kurzurlauben verbunden. Diese im Inland zu verbringen wird heuer relevant werden. Urlaubsfeeling heißt nicht immer, ins Ausland jetten zu müssen. Auf einen Campingplatz zu fahren, wäre ein reizvoller Gedanke. Während wir nach einer Mitteldistanz fast nie die Gegend besichtigen konnten, haben wir nun Zeit, in Tirol Berge, die Seen, die Landschaft und leckeres Essen zu genießen. Einzig und alleine die Rennnachbesprechung wird wegfallen! Dafür kannst du die Radstrecke als Training für 2021 abfahren und ablaufen, und das Training ist jetzt umso wichtiger.

Beim Laufen kannst du alte Hausstrecken neuentdecken und deine Zeiten nehmen. Dabei wird dir auffallen, dass du vielleicht bei einzelnen Abschnitten langsamer, aber insgesamt athletischer geworden bist und sich deine Zeit, je länger die Laufstrecke dauert, der vor einigen Jahren annähert und du am Ende des Tages vielleicht sogar dieselbe Zeit auf 15km wie vor 10 Jahren laufen kannst. Habe ich bei meinem letzten Halbmarathon, verglichen mit 2001, leider nicht geschafft, aber mit ein wenig mehr Ehrgeiz wäre vielleicht noch was „drinnen“ gewesen!

Dafür hast auch du manchmal den Funken eines Gedankens, dass du durch den Sport nicht alterst! Wenn an der Laufstrecke nichts geändert wird und wenn man annimmt, dass man unter gleichen Bedingungen wie das Jahr zuvor läuft, lassen sich die beiden Zeiten gut vergleichen. Ich bin immer ein wenig enttäuscht, wenn ich „nur“ die Zeit vom Vorjahr laufe, manchmal mit einer Genauigkeit von 10sec plus oder minus, aber heuer lernte ich eine Faustformel – ab dem 40. Lebensjahr darf man um 1% pro Jahr langsamer werden. Laufst du dieselbe Zeit wie im Vorjahr ein, bist du de facto schneller geworden!

Dabei muss ich noch aus dem Laufnähkistchen plaudern: 2009, als ich die ersten Waldviertelcupläufe lief, machte mir der Übergang vom kühlen zum warmen Wetter noch überhaupt nichts aus. Damen aus höheren Altersklassen sah ich beim Maissauer Stadtlauf (der war meist der erste Lauf) ziemlich leiden, doch seit einigen Jahren bin ich selbst betroffen. Vielleicht hat es etwas mit dem Wechsel zu tun, aber alleine der Gedanke (Hitze*+Anstieg*+hoher Puls*=?) treibt mir die Schweißperlen auf die Stirn. Gottseidank tritt mit der fortgeschrittenen Frühlingssaison ein Gewöhnungseffekt ein und komischerweise gereichen mir dann bei den Sommertriathlons Hitze + hohe Herzfrequenz nicht unbedingt zu meinem Nachteil. Da haben wir aber meist schon einen Urlaub in südlichen Gefilden hinter uns, wo wir sehr viel im Freien trainieren. Das einzige Land, wo ich beim Laufen nichts auf Schnelligkeit machen konnte, war Thailand. Radfahrtraining musste ich von 6 bis 7 Uhr auf dem Ergometer bestreiten, dann drang die Hitze von außen unerträglich in das klitzekleine Fitnesscenter ein. Laufband hatte es keines. So liefen wir zu einer Laufbahn, wo schon der Weg dorthin ein Erlebnis war. Ich lief die Stadionrunden mit einem megahohen Puls, nur auf Ausdauer und Durchhalten. Zuhause bestritt ich drei Tage nach dem Heimkommen Anfang September einen Sprinttriathlon und da hatte es im Burgenland eher kühles Herbstwetter. Ich erinnere mich, dass es beim Radfahren ziemlich windig war. Beim Laufen erlebte ich ein wahres Wunder – durch das kühle Wetter konnte ich natürlich viel schneller laufen, obwohl ich einen ähnlich gleich hohen Puls wie in Thailand hatte. Ein wenig kam mir mein Ergebnis vor wie die Auswirkungen eines Höhentrainingslagers.

Eines steht fest, heuer werde ich nicht an meinem Hochzeitstag bei einem Ironman starten. Mündliche Maturatermine, Hochzeitseinladungen, mein eigener 30-jähriger-wedding anniversary im Mai und Juni werden  jedoch mein Training in keiner Weise beeinträchtigen, da es diese Termine einfach nicht geben wird. Ich glaube, es geht jetzt eher, so bitter es ist, im Großen zu denken, wie die Wettkampfsaison 2021 bzw. sogar die Saison 2022 aussehen soll – gut, wir alle werden auch so unser Ding durchziehen und das Baby schaukeln, wie wir es immer getan haben.

Vor vier Monaten war ich noch entrüstet: „Was, ich bin auf Strava? Ja, wenn wir gemeinsam trainieren, sagt die App „Barbara ist mit Elke Schiebl unterwegs“. Ich war fassungslos. Wann habe ich mich dafür registriert? Was für ein komisches Gehabe, erstens.) alle Ergebnisse überall und für die Ewigkeit festzuhalten, zweitens.) dieses zwanghafte Verhalten, alles digital zu erfassen, alles termingerecht upzuloaden oder upzudaten und drittens.) mit möglichst vielen zu teilen. Wie sehr sich nun die Perspektiven seit C-Zeiten verschoben haben, ich nehme die Bezeichnung „Digi-Täter“ von damals zurück! Jetzt wimmelt es im Netz nur so von virtuellen Dua-, Tria-, Marathons, virtuellen Laufzeitnehmungen und wenn du Zeit hast, schau mal auf https://www.strava.com/clubs/triathleten-in-österreich-132073. Stay tuned!

 

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