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Leiti bloggt: Mein IRONMAN Barcelona 2015

Ich wollte eine tolle Triathlon Saison mit der frühzeitigen Qualifikation für die IRONMAN Weltmeisterschaften 2016 auf Hawaii abschliessen. So lautete der „bescheidene“ Plan, den ich auch offen kund tat – und dafür vielleicht von einigen belächelt wurde, denn „einen Hawaii Slot kann man nicht planen“. Nicht?

Aufgrund der Nähe zu Österreich wurde der IRONMAN Barcelona gewählt. Die Akklimatisationszeit ist eher kurz – ich brauche nach einem Flug immer 2-3 Tage um wieder frisch zu sein – und das Datum mit Anfang Oktober ist auch gut gewählt.

Am Dienstag vor dem Bewerb ging es mit dem Flieger von Airberlin nach Barcelona. Von hier mit dem Taxi weiter ins etwa 50 Kilometer entfernte Calella, wo der IRONMAN ausgetragen wird. Die Stadt Calella hat wenig vom Charm Barcelonas übernommen. Wir haben uns im Hotel Maritim direkt an der Promenade zwischen dem Start und dem Zielbereich des Wettkampfes einquartiert. Das Hotel war für den Bewerb ganz in Ordnung. Zu viel sollte man sich nicht erwarten. Gegen 20 € Kaution bekommt man erst die Fernbedienung für den Fernseher und den Kühlschrank im Zimmer zahlt man extra … Eine Sonnenterasse am Dach des Hotels bietet aber doch einen speziellen Reiz, wenn der Wind etwas kühler wird.

Für das Abendessen können wir zwei Lokale empfehlen. Das Don Corleone bietet große Portionen zu absolut fairen Preisen, da auch die Qualität stimmt. Und das „Tic Tac“ für kleinere Snacks. Nach den ersten Restaurantbesuchen haben wir eine kleine Regel für uns aufgestellt. „In Restaurants, in denen das Essen nach Bildern ausgesucht wird, werden wir nicht speisen“ – die Erfahrung haben wir in den ersten Tagen gemacht. Mit Ausnahme des Don Corleone traf sie auf alle Restaurants zu 😉

Aber nun zum Wettkampf. Nach der Anreise hatte ich mit Ohrenschmerzen zu kämpfen. So schnell sie auch kamen, so schnell waren sie am Donnerstag vor dem Bewerb wieder weg. Das wäre also mal keine Ausrede wert – egal wie der Wettkampf endet. Das Wetter zeigte sich vor dem Bewerb von seiner durchwachsenen Seite. Ein letztes Training wurde daher Indoor absolviert. Indoor im zweiten Stock mit Blick auf den 50 Meter Pool, in welchem gerade richtige Schwimmer trainierten. Wow – das ist schon ein gewaltiger Unterschied, wenn man von oben auf die Technik von uns Triathleten sieht, und daneben die Technik der Schwimmer sieht …

Am Wettkampftag selbst war es bewölkt, etwas windig, aber bei weitem nicht so wie in den Tagen vor dem Wettkampf. Der Sonnenaufgang am Sonntag dafür richtig kitschig! Ein tolles Service hatten die Veranstalter für uns Athleten. Luftpumpen konnten in der Wechselzone abgegeben werden – ein Pickerl mit der Startnummer kam drauf und nach dem Wettkampf bekam man die Luftpumpe wieder zurück. Soviel vorweg: Es hat wunderbar geklappt – ein tolles Service!

Der Start erfolgte als „Rolling Start“. Hier haben die Verantworlichen von IRONMAN noch nicht der Weisheits letzten Schluss gefunden. Der Rolling Start hat zwei gravierende Nachteile:

– Man hat während dem Bewerb überhaupt keinen Überblick über seine aktuelle Platzierung

– Man steht etwa 45 Minuten VOR dem Start bereits sehr eng, Neoprenanzug an Neoprenanzug in einem schmalen Korridor und wartet, und wartet, und wartet … während von hinten weitere Athleten nach vorne drängen wollen, „da sie ja auch schnell schwimmen“.

Den Vorteil, dass es dadurch ein angenehmeres schwimmen gibt, habe ich nicht erlebt. Selten so viele Prügel auf den 3,8 Kilometern bekommen. Noch dazu, wenn die erste Wendeboje nach 100 Metern gesetzt ist 😉 Unser Vorschlag: Alle Athleten, die um Podestplatzierungen und Hawaii Slots kämpfen wollen, sollen den klassischen Massenstart erleben – jene Athleten, denen es nur um das Finishen geht den „Rolling Start“.

Aber zu meinem Wettkampf. Die 3,8 Kilometer bei doch stärkerer Strömung vergingen relativ schnell. Eigentlich hatte ich nicht damit gerechnet, schon an der letzten Wendeboje zu sein. Richtung Strand wurde nochmals Tempo gemacht. Das Schwimmen mit den Wellen hatten wir ja schliesslich schon mal trainiert 😉 Nach knapp über 57 Minuten erreichte ich das Land. Perfekt. Geplant hatte ich inkl. Wechsel eine Zeit von 1 Stunde – im absoluten Idealfall. Gerechnet eher mit 01:05 Stunden.

Dann schnell auf das Rad und raus aus der Wechselzone. Die ersten 3 Kilometer waren die Strassen von bescheidener Qualität mit Speedbumps – also war Vorsicht geboten, dass nicht gleich etwas verloren geht oder gar ein Defekt eintritt. Nach 3 Kilometern ging es auf zwei 70 Kilometer lange Runden und eine 30 Kilometer lange Runde. Entlang der Küste machte man doch auch einige Höhenmeter – für viele wohl eine Überraschung. Absolut tolle Stimmung bei den beiden Wendepunkten in Calella. Wow – soooo viele Leute! Entlang der Strecke war es eher ruhig. Ich fühlte mich während den ganzen 180 Kilometern wohl und hatte die Radfahrt stets „unter Kontrolle“. Nach etwa 130 Kilometern kam von hinten eine große Gruppe an uns herangefahren. Ich versuchte, mich immer so in den ersten 5 Positionen der Gruppe aufzuhalten um keine Zeitstrafe zu riskieren.

Nach den 180 Kilometern schnell gewechselt und raus auf die Laufstrecke. Uff! Auf der rechten Seite kündigte sich Seitenstechen an. Ich hatte das Gefühl nicht tief atmen zu können. Nach 2 Kilometern die erste Gehpause… Doch dann dachte ich mir „Es kann nur besser werden – also nicht jammern – wir haben eine Mission“ Und so war es auch. Nach der ersten Runde vergingen die Schmerzen und ich lief den ersten Halbmarathon in 01:30 Stunden bzw. knapp darunter. Alles im Plan und der geheime Traum des Sub 3 Marathons lebte weiter.

Doch dann musste ich etwas Tempo rausnehmen. Ich war müde. Ich litt. Jene Athleten, die ich am Anfang des Marathons mit einem Pace von 03:45 Minuten pro Kilometern ziehen ließ, holte ich nun wieder ein und überlief sie. Glücklicherweise stand Marisa immer in der Nähe des Wendepunktes beim Zieleinlauf. Gemeinerweise lief man vier mal am Ziel vorbei, ehe man einbiegen durfte … Und genau da hatte ich immer eine gewisse Leere in mir. Kurz angesetzt um um Mitleid zu bitten, feuerte mich Marisa an und trieb mich mit „Lauf um dein Leben“ an. An den Laben trank ich Cola und Iso und kühlte mich so gut es ging. Bei einer Labe gab es nur Anfangs Wasser zum kühlen, dann Cola und Iso und danach keinen Wasserstand mehr. Man glaubt es kaum – aber mir ging es ab, mich nochmals kühlen zu können!

Aufgrund des „Rolling Starts“ wusste ich keine Platzierung, und so gab ich bis zur Ziellinie alles. Schade, dass man so die Stimmung auf der Finishline nicht genießen kann.

Umso glücklicher war ich dann, als mir Marisa im Ziel sagte, ich sei aktuell zweiter in meiner Altersklasse. Da war ich mir schon relativ sicher, dass sich der Hawaii Slot ausgehen würde. Dass es schlussendlich auch zum 2. Rang in meiner Altersklasse reichte war einfach unbeschreibar! Zwei Nächte vor dem Bewerb träumte ich vom Zieleinlauf und sah auf der Uhr 08:47:50 Stunden stehen. Fast hätte ich das dann wirklich im Bewerb auch erreicht. So waren es knapp über 08:49 Stunden 😉

Den Sub 3 Marathon hebe ich mir also für einen späteren Wettkampf auf. Schlussendlich hat es auch nur ein Altersklassenathlet geschafft. Dürfte also doch ziemlich hart gewesen sein der Bewerb … Jetzt chillen wir gerade in Barcelona – haben das U2 Konzert genossen und sitzen am Strand …

Wohooo – wir fliegen 2016 wieder nach Kona!

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Stefan Leitner

Stefan Leitner hat sich sein Leben lang dem Sport verschrieben - in aktiver wie in passiver Funktion. Als aktiver Age Group Triathlet konnte er sich mehrmals für den IRONMAN Hawaii qualifizieren und internationale Medaillen in seiner Altersklasse gewinnen. Er ist Inhaber und Geschäftsführer der Sport und Event Agentur Leitner.

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