Elke Schiebl bloggt

Weekendistas desesperados

Zu welchen Coronatypen gehörst du? Siehe hier.

Ich bin die aufgeregte Germanistin oder die germanistische Aufgeregte. Auf jeden Fall will ich nichts verharmlosen und trotzdem meine ich – obwohl Quarantäne vom italienischen Quaranta abstammt, es mit k ausgesprochen wird. Quaranta, 40 Tage. So lange könnte es noch dauern. Für viele eine traurige Zeit. Für manche gibt es keine Unterscheidung zwischen wochentags und Weekend mehr. Für manche wird es eine Lehrzeit werden. Was es auf jeden Fall sein wird: lange! Und trotzdem, in jeder Krise steckt ein Neubeginn. Deshalb soll mein Blog heute eher darauf abzielen, euch gar keinen, aber wirklich gar keinen Grund zu geben, desesperados zu sein.

Ich persönlich hätte es als einen Wink des Schicksals deuten müssen, dass ich meiner Tochter zweimal einen Korb gab, als sie mit mir Schach spielen wollte. Jetzt ist für uns Menschen das Übermorgen zum Heute geworden. Eine dystopische Zukunftsprognose wurde zum Heute. Und gleichzeitig ist die Welt entschleunigt worden. Durch das Entschleunigen hast du endlich mal wieder Zeit.

Was sagt man über ein Virus, das dich denken lässt: Endlich mal wieder Zeit für……. Wenn dir dazu etwas einfällt, dann liegt schon ein gewisser Neuanfang in der Krise. Manche Leute treibt die Krise, 70km, um den Küchentisch zurückzulegen oder einen Marathon ums Haus zu absolvieren. Für Berufstätige bedeutet es endlich mal Zeit, ihr Training nicht zwischen zwei Deadlines oder Calls quetschen zu müssen. Für mich bedeutet es:

Endlich mal Zeit, in die Kiste mit Krimskrams reinzuschauen, die schon ewig und drei Tage herumsteht.

Endlich mal Zeit, dahinter mit einem Besen gleich aufzukehren.

Endlich mal Zeit, die Katze zu beobachten, die sich statt in Nachbars Garten viel lieber in meinem herumtreibt.

Endlich mal Zeit, eine Kissenschlacht mit den Kindern zu veranstalten.

Endlich mal Zeit, der Tochter beim Klavierspielen zuzuhören.

Endlich mal Zeit, Anspruchsvolleres zu kochen.

Endlich mal Zeit, Apfelchips zu machen.

Endlich mal Zeit, in Erinnerungen zu schwelgen und alte Fotoalben durchzublättern.

Endlich mal Zeit, deine Mums Jeans wieder auszugraben.

Endlich mal Zeit, Bilder mit Fotos, die schon seit ewig herumliegen, aufzuhängen.

Endlich mal Zeit, Batterien auszuwechseln.

Endlich mal Zeit, zu wandern.

Endlich mal Zeit, die Natur mit anderen Augen zu betrachten.

Endlich mal Zeit, den Geruch eines frischgekauften Buches zu inhalieren.

Endlich mal Zeit, den Kindern von ihnen als Kleinkindern zu erzählen.

Endlich mal Zeit, deine Augenbrauen zu zupfen.

Endlich mal Zeit, anderen deine Meinung über ungelöstes mitzuteilen und denken zu dürfen, dass du es nicht ändern kannst, sondern maximal das Beste daraus machen kannst.

Endlich mal Zeit, zu warten. Die Erfahrung zu machen, eine Durststrecke (außerhalb des Sports) kennen zu lernen. Zu wissen, dass dein Wunsch nicht gleich in Erfüllung gehen wird.

Endlich mal Zeit, die Natur als beschützenswert wahrzunehmen. Denn für sie ist das Vorgestern zum Heute. Beim Kramen in der Kiste fand ich ein Buch meine damalige deutsche Brieffreundin (damals hatte man Brieffreunde) mit mongolischen Weisheiten:

Doch ist Unglück nicht das Ende. Wenn das Gras vom Steppenfeuer verbrannt ist, sprosst es im Sommer neu.

Bleibt gesund!

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