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IRONMAN Hawaii 2016Leiti bloggt

Leiti bloggt: Mein Rennbericht zu den IRONMAN World Championship 2016

Mein letzter Blogbeitrag ist wohl schon einige Monate her. In einem der nächsten Beiträge, werde ich etwas näher darauf eingehen, warum die Zeit zu bloggen endend wollend war. Nach meinem Saisonhighlight bei den IRONMAN World Championship in Kailua-Kona, Hawaii ist es aber wieder an der Zeit etwas zu schreiben. Eines Vorweg: Da ich keine Sponsoren habe, bedarf es keiner langenden Dankesreden. Alle Produktnamen im Beitrag sind frei erfunden – Ähnlichkeiten mit bestehenden Produkten aber gewünscht 😉

Mein Tag bei den IRONMAN World Championship fing um 04:00 Uhr. Nach einem kurzen Frühstück aus Brioche mit selbstgemachter Guava Marmelade ging es relativ zeitig zum Bodymarking nach Kona. Nachdem die Startnummer am Ober bzw. Unterarm angebracht war, kam es zum obligatorischen Wiegen. Glücklicherweise war das Gewicht in Pfund angegeben, somit konnte mich nichts aus der Fassung bringen 😉

Ein letzter Blick auf das Rad – Luft aufpumpen, Riegel befestigen und wieder zurück an den Strand um abzuwarten. Als akkreditierte Journalistin für trinews.at – dem einzigen Österreichischen Triathlonmagazin vor Ort – konnte Marisa aus erster Reihe Photos machen und ich war froh, sie nach dem Check In nochmals sehen zu können. Davor setzte ich mich allerdings nochmals für fünf Minuten alleine an den Strand und schaute hinaus in das Meer, das in den Morgenstunden erstrahlte. Im Ohr von Whitney Houston „One moment in time“

Each day I live
I want to be
A day to give
The best of me
I’m only one
But not alone
My finest day
Is yet unknown
I broke my heart
Fought every gain
To taste the sweet
I face the pain
I rise and fall
Yet through it all
This much remains

In den Augen – Freudentränen auf den bevorstehenden Wettkampf!

3,8 Kilometer im Ozean

(c) Finisherpix
(c) Finisherpix

Um 06:55 Uhr war es soweit. Der Startschuss ertönte. Ich entschied mich heuer den direkten Weg zu gehen und startete eher rechts. Nach etwa 100 Metern hat mir jemand die Brille vom Kopf gerissen. Schnell gerichtet und wieder rangeschwommen. Angefühlt hat sich das Tempo über die 3,8 Kilometer ziemlich locker. Ich nehme mal an, es lag am Roka ViperX, den ich mir zwei Tage vor dem Wettkampf besorgte und mit dem ich in den Wettkampf ging. Als es wieder zurück an das Pier ging, und ich die Stufen hoch lief, konnte ich meinen Augen kaum trauen. Die Uhr zeigte 55:XX Minuten an … Das ließ zwei Schlüsse offen: 1) Die Schwimmstrecke wurde stark verkürzt und 55 ist das neue 65! 2) Ich bin verdammt gut geschwommen. Fragt mich bitte nicht, wie ich das gemacht habe! Ich habe nur in den Tagen vor dem Wettkampf gemerkt, dass das Schwimmen immer besser ging – aber diese Zeit bin ich noch nicht einmal in Klagenfurt geschwommen! Aber ich habe es angenommen, habe mir gedacht „wer weiß, wann du diese Zeit jemals wieder schwimmst und riskiere“! Das Wechseln sollte ich allerdings noch trainieren …

180 Kilometer Kampf gegen den Wind

(c) Finisherpix
(c) Finisherpix

Es gibt keine zwei gleichen Tage auf Hawaii. Madame Pele spielt mit uns Athleten. Sie prüft – sie nimmt – sie gibt aber auch! Die ersten Kilometer durch Kona sortierte sich die „Gruppe“. Einmal am Highway angekommen bildete sich eine lange Schlange, die bis nach Hawi einige Risse bekommen hat. Und am Anstieg nach Hawi lichtete sie sich weiter. So wurde es eine ziemlich einsame Fahrt von Hawi retour. Der Blick auf das Wattmessgerät und auf die Gruppe, begleitet von einem Marshal wollte keiner eine Zeitstrafe riskieren. Gefahren bin ich mit dem Castelli Stealth Top. Die wunderschöne Kona Special Edition konnte ich durch die zahlreichen Laben kühl halten. Besonders die letzten 30-40 Kilometer waren brutal. Ich merkte, dass meine Kräfte langsam schwanden, aber ich wollte ja riskieren! Schließlich wollte ich die geniale Schwimmzeit nicht verschenken 😉 Also durchbeissen. Vorbei am Flughafen blickte ich auf die Uhr. „Da könnte sich ja eine Zeit unter fünf Stunden ausgehen, wenn ich andrücke! Andrücken? Oder doch Sicherheit vor dem Marathon?“ ging durch meinen Kopf. Aber eine sub fünf Stunden Radzeit auf Kona klingt schon cool, also andrücken! Nach 4:58 Stunden stellte ich das Rad in der Wechselzone ab. Wechselte das Stealth Top von Castelli gegen das Castelli Free Top und machte mich – nach einem Klostop – auf, um den Marathon in Angriff zu nehmen.

„It’s a beautiful day!“ – Rocken wir den Marathon

(c) Finisherpix
(c) Finisherpix

Die ersten Kilometer fühlten sich nicht gerade locker an. Ein Blick auf die Uhr zeigte aber einen Kilometerschnitt von 04:05 Minuten. Okay, das durfte sich nicht locker anfühlen, also nahm ich etwas Tempo heraus. Wie mittlerweile bei allen Langdistanzen nutzte ich die Labestellen um mich zu kühlen und zu trinken. Ich bin also keine 42,2 Kilometer gelaufen, sondern habe etwa 20 x 2 Kilometer Intervalle gemacht. Glücklicherweise kann ich nach den kurzen Gehpausen wieder im normalen Tempo weiterlaufen. Am Weg zum Energy Lab sah ich auf der Seite Mario Fink stehen. Er war ausgezogen, unsere Altersklasse zu gewinnen und ich hätte es ihm wirklich vergönnt. Leider war es nicht sein Tag. Ich hatte nach wie vor keine Ahnung, wie ich im Rennen lag. Erst kurze Zeit später kam die spätere Damensiegerin Daniela Ryf mir entgegen. Sie am Weg ins Ziel, ich zum Energy Lab. Als nach ihr laaaaaange Zeit keine weitere Dame mehr kam zweifelte ich schon an meinem Sehvermögen. Erst am Wendepunkt im Energylab sah ich, welche Österreicher vor mir lagen und wie es nach hinten aussah. Zu meiner Verwunderung kam mir kein Österreicher entgegen. Als ich am den Weg hinaus aus dem Energlab in Angriff nahm, sah ich Markus Lichtenegger gerade in das Energylab laufen. Als starker Läufer rechnete ich damit, dass er etwa fünf bis zehn Sekunden pro Kilometer auf mich aufholen könnte. Leider wusste ich aber nicht, wie lang die Gerade im Energylab war 😉 Zurück waren es noch 12 Kilometer – ich musste also auf die Tube drücken.

Kurz vor dem letzten Hügel am Rückweg stand Hannes Czeitschner der mich nochmals besonders lautstark und motivierend anfeuerte. Er war es auch, der mich heuer wieder optimal auf meinem Zeitfahrrad einstellte und mir lernte, den Kopf möglichst weit unten zu lassen. Die Palani Road hinunter feuerten mich Barbie Tesar von Istriabike und Tom Priglinger von Veletage – Salon für Radkultur an. Barbie meinte zu mir, ich sei fünfter in meiner Age Group und solle die letzten Kilometer genießen. Ich wusste aber, dass ich gerade an der Kreuzung der Palani Road mit dem Queen K Highway jemanden aus meiner Altersklasse überholte. Was ich nicht wusste, dass ich ihm wohl auf den paar Metern viel Zeit abgenommen hatte 😉 Daher zog ich nochmals an und drehte mich erst unter dem Benyon Tree am Ali Drive um. Keiner war zu sehen! Da wusste ich es! Mein Traum kann in Erfüllung gehen und habe die letzten Meter genossen.

Ein Traum, den nicht viele wussten und der ganz ehrlich nicht für heuer am Programm stand. Ja, ich wollte einmal eine „Salatschüssel“ auf Hawaii gewinnen. Aber doch noch nicht heuer!

(c) Finisherpix
(c) Finisherpix

Banquet der Champions

Erst im nach hinein bemerkte ich, wie knapp es weiter nach vorne war. Beim Wechseln nicht getrödelt, kein WC Pause … Aber das gilt alles nicht. Man muss erst einmal abliefern, dann kann man reden. Als ich dann bei der Siegerehrung die Salatschüsseln der vor mir Platzierten sah, war das nächste Ziel schnell definiert 😉

Danke!

Ohne Dankesworte geht es aber auch nicht. Ich glaube ich muss meine Frau Marisa nicht extra hervorheben. Nicht nur, dass sie mich aushalten muss, hat sie mich angefeuert, die Berichterstattung auf trinews.at geschmissen und Liveeinschaltungen nach Österreich gemacht. WOW! I love you!

Spezieller Dank an meinen Coach und Freund Adi, der es immer wieder schafft, mich nach dem Zieleinlauf sprachlos zu machen. Danke an Fam. Stöger, Fam. Goll, Fam. Fuchs, Fam. Hesse und Bernhard Plainer für die schöne Zeit vor dem Rennen. Ich habe mich vom Tag der Ankunft an gleich wie zu Hause gefühlt. Auch allen anderen Österreichern, die zu unserem täglichen Frühstück am Pier gekommen sind und jeden Tag gut drauf waren. Die Österreichische Triathlon Community ist schon geil!

Danke auch an Florian „Floro“ Werner für die tollen Berichte über das Rennen. Ohne dich, würden die Leser jetzt wohl noch nicht wissen, wer gewonnen hat!

Und natürlich Danke an alle für das Daumendrücken vor Ort bzw. in Österreich für die geistige Unterstützung!

Hier noch ein paar Presseartikel verlinkt:

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Stefan Leitner

Stefan Leitner hat sich sein Leben lang dem Sport verschrieben – in aktiver wie in passiver Funktion. Als aktiver Age Group Triathlet konnte er sich mehrmals für den IRONMAN Hawaii qualifizieren und internationale Medaillen in seiner Altersklasse gewinnen.

Er ist Inhaber und Geschäftsführer der Sport und Event Agentur Leitner.

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