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Ryf bei Challenge Roth auf Weltrekordjagd

Ryf: „Ich will mit Leidenschaft über die Strecke fliegen“

Triathlon-Weltmeisterin Daniela Ryf (Schweiz) lüftet ihr lange gehütetes Geheimnis: Sie startet am 9. Juli erneut beim DATEV Challenge Roth  – und geht beim Langstrecken-Klassiker in der europäischen Triathlon-Metropole Roth auf Weltrekord-Kurs. Die zweifache Hawaii-Gewinnerin und Vorjahresssiegerin des DATEV Challenge Roth nimmt es dabei mit keiner Geringeren als Chrissie Wellington auf: Die Britin hält seit 2011 die – ebenfalls in Roth aufgestellte – Weltbestzeit von 8:18:13 Stunden über die Triathlon-Langdistanz (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen). Die Fabelzeit von Wellington war damals eine absolute Sensation in Triathlon-Fachkreisen und gilt bis heute als kaum zu unterbieten.

Daniela Ryf, die bei ihrem letztjährigen Start in Roth nahe an die legendäre Wellington-Zeit herangekommen war und den Wettkampf schließlich in einer Zeit von 8:22:04 Stunden gewann, sieht das allerdings anders:

„Die geniale Atmosphäre im letzten Jahr hat mir Flügel verliehen und mir bewusst gemacht, dass der Weltrekord an einem perfekten Tag in Reichweite ist. Ich bin fasziniert von Chrissie Wellingtons Weltbestzeit und wie schnell sie war. Aber mein Ziel ist es, für mich selbst herauszufinden, wo ich persönlich stehe und ob ich noch schneller sein kann als diese unglaubliche Power-Frau. Deshalb werde ich versuchen, am 9. Juli in Roth – genau wie im letzten Jahr – mit Leidenschaft über die Strecke zu fliegen“.

Für die amtierende Weltmeisterin scheint auch 2017 nichts unmöglich zu sein. Ryfs überlegener Sieg beim Ironman Südafrika Anfang April hat schon mal gezeigt, dass an der 29-jährigen Schweizerin weiterhin kein Weg vorbei führt. Nachdem der Druck jetzt raus ist, kann sich Daniela Ryf körperlich und vor allem mental voll auf ihren ersten Saison-Höhepunkt, den DATEV Challenge Roth, konzentrieren. Am 9. Juli wird die gesamte Triathlonwelt beim DATEV Challenge Roth erfahren, wie schnell man mit Leidenschaft fliegen kann.

Die Top-Starter beim DATEV Challenge Roth

Beim DATEV Challenge Roth am 9. Juli scheint es diesmal bei den Männern auf ein besonders spannendes Rennen hinauszulaufen. Das internationale Top-Starterfeld der Herren weist gleich mehrere große Namen auf, die für einen Sieg beim Langstrecken-Klassiker infrage kommen.

Erneut mit großen Ambitionen und Siegchancen am Start ist Nils Frommhold, der Sieger des DATEV Challenge Roth 2015. Der 30-jährige Berliner konnte das Rennen vor zwei Jahren in der damals drittbesten Zeit der Rother Triathlon-Geschichte (7:51:28) für sich entscheiden, nachdem er bereits 2014 als Zweiter auf dem Siegertreppchen gestanden hatte. Beide Male war es zuvor zum Zweikampf mit Timo Bracht gekommen, den somit jeder der beiden Kontrahenten einmal für sich entscheiden konnte. 2016 schließlich landete Nils Frommhold in einem äußerst stark besetzten Wettkampf hinter Weltmeister Jan Frodeno und Joe Skipper auf dem dritten Platz und hat nun die Chance – erneut im Kampf mit Timo Bracht und Joe Skipper – , zum zweiten Mal das weltgrößte Langdistanz-Rennen zu gewinnen. Für großes Aufsehen sorgte Frommhold vor wenigen Wochen übrigens auch beim Ironman Südafrika. Dort jagte er bei einem heißen Duell auf der Marathonstrecke den US-Amerikaner Ben Hoffmann und kam dann schließlich als Zweiter noch unter der Acht-Stunden-Marke ins Ziel. Wird es in Roth erneut einen spannenden Zwei- oder gar Dreikampf für Nils Frommhold geben und kann er sich in der fränkischen Triathlon-Metropole ein Denkmal setzen?

Zu gönnen wäre ein Sieg freilich auch dem Deutschen Timo Bracht. Der Eberbacher ist dem Rother Traditionsrennen fast seit Anbeginn seiner beispiellosen Karriere eng verbunden. Bei seinem siebten Start im Jahr 2014 konnte Bracht das Rennen (nach mehreren zweiten und dritten Plätzen) in einer Zeit von 7:56:00 Stunden endlich gewinnen und macht nun  beim DATEV Challenge Roth  – wo sonst – sein Abschiedsrennen von der Langdistanz. Eindrucksvoll die Vita des 41-Jährigen, der 1993 als einer der „Jungen Wilden“ (Bracht, Leder, Hellriegel) mit dem Triathlonsport begann und seit 1994 als Profi-Athlet startet. Nicht weniger als neun Siege bei Langdistanzrennen hat Bracht vorzuweisen, dazu unzählige Top 5-Platzierungen, Streckenrekorde und Meistertitel. Ein zehnter Sieg ist für den mental außerordentlich starken Ausnahme-Athleten (Lieblingsspruch „Jetzt oder nie“) das Wunschziel und würde sein Lebenswerk krönen.

Ein Sportler, dessen erfolgreiche Karriere erst am Anfang steht, ist der Engländer Joe Skipper. Der 28-jährige erzielte einen überraschenden zweiten Platz beim DATEV Challenge Roth im letzten Jahr mit einer Zeit von 7:56:23. Auch wenn er ein Stück hinter Sieger Jan Frodeno ins Ziel kam, konnte er die Marathon Strecke 26 Sekunden schneller bewältigen als der Weltmeister. Ohne Zweifel muss man Joe Skipper auf dem Schirm haben. Aus Neuseeland kommt der Mann, der sich möglicherweise als scharfer Konkurrent für Frommhold und Bracht erweisen wird: der in Südafrika geborene Terenzo Bozzone (32). Nicht weniger als 24 Halbdistanz-Titel hat der zusammen mit Jan Frodeno und Daniela Ryf für das Bahrain Elite Endurance Triathlon Team startende Athlet vorzuweisen. Auf der langen Distanz konnte er im Dezember 2016 seinen ersten Sieg beim Ironman Western Australia (Streckenrekord 07:51:26) einfahren. Darüber hinaus hat der Athlet mit den beiden Spitznamen „T“ und „Flying Kiwi“ schon mehrere zweite und dritte Plätze bei Ironman-Rennen und einen Vize-Weltmeistertitel (2013) bei den ITU Triathlon Long Distance World Championships in seiner Vita stehen und war Ironman 70.3-Weltmeister 2008: Ein Sportler, dessen erfolgreichste Karrierephase wohl gerade erst begonnen hat. Ebenfalls Neuseeländer ist der 31-jährige Dougal Allan. Der zweifache und auch aktuelle Sieger des Challenge Wanaka (2017 mit neuem Streckenrekord von 8:26:38) konnte erst vor wenigen Tagen bei der Langdistanz des Challenge Taiwan einen beachtlichen zweiten Rang mit einer Zeit von 8:11:23 Stunden einfahren. Allan ist kein reiner Triathlet, sondern Ausdauersportler mit vielfachen Talenten. Unter anderem stand er mehrfach auf dem Podium bei den aus unterschiedlichsten Disziplinen bestehenden „Adventure Racings“ in Brasilien, China, Australien, Kanada und Neuseeland, ist amtierender Ozeanien Multisport-Gewinner und nimmt jährlich an Wettkämpfen in über zehn verschiedenen Sportarten teil. Vom Triathlon-Kontinent Australien kommt der 38-jährige Brad Kahlefeldt. 2006 gewann er nicht weniger als zehn wichtige Kurzdistanz-Rennen, darunter eine Goldmedaille bei den Commonwealth Games in Melbourne. 2008 und 2012 startete er für Australien bei den Olympischen Spielen, 2014 wurde er Sieger bei der Erstaustragung des Challenge Bateman‘s Bay in seiner Heimat Australien und hat bereits viele Halbdistanzen gewonnen, darunter im Oktober 2016 den Ironman 70.3 Hefei (China).

Starke Deutsche am Start
Neben Nils Frommhold und Timo Bracht lassen drei weitere Namen aus Deutschland aufhorchen: Maurice Clavel, Christian Brader und Per Bittner. Der in Freiburg/Breisgau lebende 29-jährige Maurice Clavel startete seine Karriere 2007 auf der Olympischen Distanz und wechselte dann auf die Halbdistanz. 2014 gewann er die Allgäu-Classic, wurde zwei Mal Zweiter beim Ironman 70.3 in Barcelona und zuletzt 2016 beim (witterungsbedingt als Duathlon) ausgetragenen Challenge Heilbronn. Der nächte Karriereschritt folgt jetzt mit seinem ersten Start auf der Langdistanz beim DATEV Challenge Roth. Kein Unbekannter in Roth ist der Memminger Christian Brader. 2015 finishte der 37-Jährige beim „Best old Race“ als Zehnter und will in diesem Jahr noch weiter nach vorne. Neben mehreren Halbdistanz-Siegen in jüngerer Zeit hat der häufig in der Schweiz trainierende Profi-Triathlet auch mehrere zweite und dritte Plätze bei Langdistanz-Rennen der Ironman-Serie vorzuweisen. Last but not least startet auch der Leipziger Per Bittner ein weiteres Mal beim DATEV Challenge Roth. 2015 finishte er in persönlicher Bestzeit (8:04:29) als Vierter in Roth, 2016 wurde er immerhin Achter. Diesmal will Bittner wird er in die Top 5, hat aber noch ein weiteres Ziel: Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Yvonne van Vlerken will der häufig bei Challenge-Rennen startende Athlet diesmal in Roth einen „Pärchen-Rekord“ aufstellen.

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Stefan Leitner

Stefan Leitner hat sich sein Leben lang dem Sport verschrieben - in aktiver wie in passiver Funktion. Als aktiver Age Group Triathlet konnte er sich mehrmals für den IRONMAN Hawaii qualifizieren und internationale Medaillen in seiner Altersklasse gewinnen. Er ist Inhaber und Geschäftsführer der Sport und Event Agentur Leitner.

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