Challenge Forte Village
Triathlon Szene Weltweit

Die 30jährige Geschichte der Challenge Roth

Niemand konnte das an diesem Samstag, den 22. September 1984 voraussehen. Bei einer Lufttemperatur von 18 Grad und einer Wassertemperatur von 16,5 Grad im Kanal gingen 82 Männer und eine Frau an den Start, betreut von rund hundert Helfern und bestaunt von einigen hundert Zuschauern. 700 Meter Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und zehn Kilometer Laufen mussten die Teilnehmer absolvieren, nach weniger als zwei Stunden stand der Sieger fest: Der Nürnberger Franz Michels siegte in 01:59:42 Stunden, gefolgt von Robert Sperlich (02:04:36 Stunden) und Jochen Lux (02:04:55 Stunden). Die einzige Frau des Wettbewerbs, Maureen Farley (USA), brauchte 02:20:44 Stunden für die Strecke – im Gesamtklassement wäre das Rang 36 gewesen.

Es folgten bewegte und bewegende drei Jahrzehnte, in denen der „Triathlon-Virus“ weltweit um sich griff – so auch im „Triathlon-verrückten“ Landkreis Roth. Schon 1985 fanden die ersten Bayerischen Meisterschaften statt, 1986 durfte Detlef Kühnel die Deutschen Meisterschaften organisieren, 1988 schließlich gab es den ersten Ironman auf den bis heute bestehenden Distanzen und mit 706 Startern, wovon 587 das Ziel erreichten. Axel Koenders (NL) und Rita Keitmann (D) hießen die ersten Rother Ironman-Sieger in der jungen Trendsportart.

Nicht nur die Teilnehmerzahlen stiegen in den Folgejahren rasant an, auch die Zeiten wurden immer schneller, wobei in den ersten Jahren vor allem die Frauen (Thea Sybesma und zweimal Paula Newby-Fraser) mit Weltbestzeiten glänzten. 1996 schließlich konnte Lothar Leder als erster Mann der Welt den Wettkampf unter acht Stunden finishen. Seine Weltbestzeit von 7:57:02 Stunden – damals eine Sensation – bestand allerdings gerade mal ein Jahr. Schon 1997 unterbot ihn der Belgier Luc van Lierde um sechseinhalb Minuten. Die neue Weltbestzeit von 7:50:27 Stunden hatte sage und schreibe 14 Jahre lang Bestand.

Furioser Neustart 2002

Mit der Marke Ironman war in Roth freilich im Jahr 2001 Schluss. Der damalige WTC-Präsident stellte unakzeptable organisatorische und finanzielle Forderungen an Detlef Kühnel, der im Frühjahr 2001 den Vertrag mit der WTC aufkündigte. Der Triathlon-Klassiker Roth brach jedoch mit dem Wegfall der Ironman-Marke keineswegs zusammen, im Gegenteil: Dank der Unterstützung vorausschauender Sponsoren, insbesondere Quelle und Post AG und dem Engagement neuer Partner aus der Region Nürnberg (N-ERGIE, Sparkasse Mittelfranken-Süd) startete unter neuer Leitung von Herbert Walchshöfer im Jahr 2002 der „Quelle Challenge Roth“, getragen von unglaublicher Zuschauerbegeisterung.

Nach einem schwierigen Anfangsjahr war das Glück Herbert Walchshöfer und seinem Team bereits im Jahr 2003 hold: Das berühmte „Herzschlagfinale“ von Lothar Leder und Chris McCormack auf der Ziellinie brachte dem Quelle Challenge Roth die benötigte mediale Aufmerksamkeit. 2004 hatte sich der Quelle Challenge Roth endgültig etabliert, konnte sich in punkto Teilnehmerzahlen erstmals „weltgrößter Triathlon in der Langdistanz“ nennen, das Interesse an dem neuen Triathlon-Format stieg rasant an.

Protagonisten wie die Leders, die Australier Chris McCormack und Belinda Granger und viele andere mehr standen für herausragende Siege und Weltklasse-Zeiten in diesen Jahren. Aber nicht nur die Athleten, sondern auch die Zuschauer und vor allem der unglaubliche Rückhalt der Rother Landkreisbevölkerung machten den Quelle Challenge Roth innerhalb weniger Jahre zum Mythos.

Derjenige, der viele große Sieger in Roth hat kommen und gehen sehen und die Marke Challenge zu weltweitem Ansehen geführt hat, ging im Herbst des Jahres 2007 über seine eigene Finish Line: Herbert Walchshöfer. Am 25. Oktober erlag der Challenge-Gründer einer schweren Krankheit. Triathleten aus aller Welt trauerten um ihn. Sohn Felix übernahm mit tatkräftiger Unterstützung seiner Mutter Alice die Nachfolge und fand einen wohlgeordneten Kosmos vor, das Label Challenge lebte in Herbert Walchshöfers Sinn weiter.

Ständig neue Weltbestzeiten und Rekorde, vor allem zunächst bei den Frauen, machten weiter Furore und sorgten dafür, dass der Quelle Challenge Roth nun jedes Jahr schon nach kurzer Zeit ausgebucht war. Yvonne van Vlerken stellte 2008 die alte Weltbestzeit ein, wurde aber schon im darauffolgenden Jahr von Chrissie Wellington übertrumpft, die für drei Jahre die Frauenrennen souverän dominieren sollte. 2011 schließlich sorgte der Challenge Roth mit einer (bis heute bestehenden) doppelten Weltbestzeit von Andreas Raelert und wiederum Chrissie Wellington für eine Weltsensation, die es im Triathlon-Zirkus noch nie gegeben hat.

2012 durfte der Challenge Roth erstmals die Offizielle Triathlon-Europameister-schaft der ETU in der Langdistanz austragen – und erwies sich dieser Ehre als glanzvoller Gastgeber würdig. Nach zwei Jahren ohne Titelsponsor – die Quelle war wegen ihrer Insolvenz ausgestiegen – konnte das „Best Old Race“ im Jahr 2013 mit Stolz eine neue Partnerschaft eingehen. Gemeinsam mit dem renommierten Nürnberger Softwarehaus DATEV wird der Rother Traditionswettkampf mit Herz – Leitveranstaltung der inzwischen übrigens 28 Wettkämpfe umfassenden Challenge Family – als DATEV Challenge Roth künftig eine glänzende Zukunft des Triathlonsports im Sinne der berühmten Challenge-Werte gestalten.

30 Jahre nach dem ersten „Franken-Triathlon“ hat in Roth jeder seinen Platz gefunden. Jedes Rädchen greift in dem Unternehmen von Alice, Felix und Kathrin Walchshöfer ineinander, das leidenschaftlich unterstützt wird von einem ganzen Landkreis, den Wettkampfleitern, von den Medien und Partnern aus der Wirtschaft bis hin zu den 5.700 freiwilligen Helfern. Das macht die „Faszination Triathlon“ in Roth aus.

 

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Stefan Leitner

Stefan Leitner hat sich sein Leben lang dem Sport verschrieben - in aktiver wie in passiver Funktion. Als aktiver Age Group Triathlet konnte er sich mehrmals für den IRONMAN Hawaii qualifizieren und internationale Medaillen in seiner Altersklasse gewinnen. Er ist Inhaber und Geschäftsführer der Sport und Event Agentur Leitner.

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