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Daniela Ryf: „Im Training tut es mehr weh“

Im trinews.at Gespräch mit der mehrmaligen IRONMAN Weltmeisterin Daniela Ryf sprachen wir über ihre größten Probleme beim Umstieg auf ihre Mittel/Langdistanzkarriere, ihre Saison 2016 und ihre sportlichen Ziele für das Jahr 2017.

trinews.at: Mit welchen Problemen hattest du zu Beginn deiner Triathlon-Langdistanz Karriere zu kämpfen?

Daniela Ryf: Schon lange her 😉 Eine große Herausforderung war die Ernährung um auch während dem gesamten Wettkampf genügend Energie zur Verfügung zu haben. Lieber mal etwas zu viel Essen und eine halbe Minute oder Minute am Straßenrand Pause machen, wie zu wenig essen und dann einzubrechen.

Wieviel Kohlehydrate pro Stunde nimmst du etwa zu dir?

Grob sagt man 60 Gramm Kohlehydrate pro Stunde, oder etwas mehr. Aber um ehrlich zu sein messe ich das nicht. Wenn ich im Wettkampf bin rechne ich aber nicht nach, sondern denke mir „jetzt wird es wieder Zeit“ und esse etwas. Oder wenn mir Sturm im Kopf wird weiß ich, ich muss etwas essen. Wenn ich Kopfschmerzen bekomme weiß ich, dass ich trinken muss. Gut, in dem Fall ist es dann schon zu spät, aber ich weiß es wenigstens für das nächste Mal. 😉

Wichtig ist einfach auf den Körper zu hören. Eigentlich ist es auch egal was man nimmt. Eine Bratwurst hat auch Kalorien und es gibt zahlreiche Athleten, die gerne eine Bratwurst oder einen Schokoladendrink zu sich nehmen.

Wäre das etwas für dich?

Nein, für mich wäre das nichts. Aber wenn der Körper gerade Lust darauf hat, sollte man es ihm geben, wenn man es verträgt.

Schaffst du es auch zum Ende eines Rennens hin, dich an deinen Ernährungsplan zu halten oder nimmst du dann, was du bekommen kannst?

Wenn es gut läuft muss man sich selbst daran erinnern, dass es noch nicht vorbei ist. Gerade beim IRONMAN ist auch die letzte halbe Stunde noch entscheidend. Wichtig ist hier einen kühlen Kopf zu behalten und nicht schon bei Kilometer 30 anzufangen zu denken „Jetzt habe ich den Sieg“ oder „Jetzt bin ich schon fast im Ziel“ sondern sich auch hier noch vernünftig zu ernähren.

Stichwort „Kühlen Kopf bewahren“: Hattest du auch nach den IRONMAN 70.3 World Championship 2016 mit Blickrichtung Hawaii einen kühlen Kopf? Rang Vier war ja nicht unbedingt das Ergebnis, mit dem du gerechnet hattest.

Der vierte Rang war nicht das Problem. Das Problem war eher, dass ich mich an diesem Tag sehr gut gefühlt hatte aber einfach nicht vorwärtsgekommen bin und ich nicht wusste warum. So wie ich bin suche ich den Fehler zuerst immer bei mir. Das war dann schon eine harte Zeit. Aber es war auch Motivation, nochmals härter zu trainieren und es hat dann glücklicherweise auch geklappt.

Daniela Ryf im Interview mit trinews.at

Wie bist du dann wieder Rausgekommen aus deinen Zweifeln?

Ich habe versucht das Beste daraus zu machen. Ich war auch in Australien fit. Bin gut gelaufen und gut geschwommen aber auf dem Rad ging nichts. Das hat mir auch wieder aufgezeigt, dass nichts sicher ist. Man muss jeden Tag abliefern. Es hat auch mal gut getan nicht zu gewinnen. Ich habe dadurch gemerkt, dass es eigentlich egal ist ob man gewinnt oder nicht. Wichtig ist, dass man seine Leistung abruft. Und das konnte ich leider an diesem Tag nicht und das war das Ärgerliche.

Hilft dir bei deiner Motivation auch die Visualisierung? Also stellst du dir öfters im Training vor, wie es ist, wieder als Siegerin bei den IRONMAN World Championship einzulaufen?

Ja, vor allem bei harten Trainingseinheiten, wenn ich die letzte halbe Stunde nochmals einen Zahn zulegen muss. Da denke ich mir dann „Genau diese halbe Stunde macht den Unterschied“ und so motiviere ich mich dranzubleiben. Oder mit einem Song der mir das Renngefühl verleiht und ich denke dann an die letzten 10 Kilometer auf Hawaii, da tut es auch weh.

Sehr weh sogar!

Ja genau, aber ganz ehrlich im Training kann es noch mehr weh tun. Ich trainiere oft härter wie danach im Wettkampf. Das muss ich für mich machen, weil sonst ist es im Wettkampf härter. So kann ich mich motivieren.

Welche Ziele hast du für die Saison 2017?

Ganz sicher einmal Hawaii, das ist ein großes Ziel. Die Triple Crown werde ich versuchen, aber sie ist nicht der große Fokus aber ein schöner Bonus und eine Herausforderung von Jänner bis Dezember fit und in Form zu bleiben.

Irgendwo in der nahen Zukunft dann auch noch eine Langdistanz und hier möchte ich eine sehr, sehr schnelle Zeit aufstellen. Aber wo, das verrate ich jetzt noch nicht 😉

Vielen lieben Dank für das Interview!

Danke schön, und Gratulation zu eurem Magazin!

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Stefan Leitner

Stefan Leitner hat sich sein Leben lang dem Sport verschrieben - in aktiver wie in passiver Funktion. Als aktiver Age Group Triathlet konnte er sich mehrmals für den IRONMAN Hawaii qualifizieren und internationale Medaillen in seiner Altersklasse gewinnen. Er ist Inhaber und Geschäftsführer der Sport und Event Agentur Leitner.

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