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Was erwartet die Athleten beim IRONMAN Hawaii?

Entweder man qualifiziert sich bei einem IRONMAN Bewerb. hat das Glück bei der Lotterie oder kauft einen „Charity Startplatz“, bei welchem das Startgeld einem wohltätigen Zweck gespendet wird. Egal wie man zu seinem Startplatz kommt – der IRONMAN Hawaii ist für alle etwas besonderes …

Im Vorfeld:

Spätestens eine Woche vor dem Bewerb merkt man an jeder Ecke, dass wieder IRONMAN Zeit ist. Verkaufte ein Geschäft am Vortag noch Souvenirs, so befindet sich in den Tagen vor dem Wettkampf ein Radservice Geschäft darin. Die Dächer der Häuser werden mit Sponsorentransparenten beklebt, und am Pier in Kona beginnt man mit den Aufbauarbeiten für eine rießige Leinwand. Die Menschenansammlungen am Pier werden von Tag zu Tag in den Morgenstunden größer. Entweder um selbst eine Schwimmeinheit zu absolvieren, oder um „Weltmeisterschauen“ zu gehen. Entlang der Küste in Kailua Kona stehen lebensgroße Photomontagen aller IRONMAN Hawaii Sieger. Ja, das IRONMAN Fieber packt einen spätestens jetzt. Man sollte sich überlegen, wo man am Wettkampftag sein Auto parkt. Empfehlenswert ist der große Parkplatz an der Palani Road bei „Longs Drugs“ oder gegenüber bei „KTA Supermarkt“.

Am Morgen des Wettkampftages:

Die morgendliche Routine am Wettkampftag ist bei fast allen IRONMAN Bewerben ähnlich. Kona bildet einen Ausnahme. Noch bevor du in die Wechselzone zum letzten Check vorgelassen wirst, musst du zum „Body Marking“. Das kann mit unter einige Zeit in Anspruch nehmen, denn alle Athleten erhalten ihre Startnummer auf den Oberarm und die Wade gedruckt. Die Warteschlange am Eingang zum Parkplatz hinter dem King K Hotel wird schnell länger und so auch die Wartezeiten. Wer gerne mehr Zeit für sich hat ist gut beraten, möglichst früh beim „Body Marking“ zu erscheinen.

Weiters sind dutzende von Kamera Teams im Athletenbereich unterwegs und filmen die Profi Athleten und ausgewählte Age Grouper bei allen Tätigkeiten. Du kennst diese Bilder sicher von den zahlreichen IRONMAN DVD’s aus Hawaii. Pete Jacobs und Andreas Raelert zu deiner linken, Leanda Cave und Mirinda Carfrae zu deiner rechten … – ja, jetzt wird es langsam Real – auch du bist ein Teil dieser Geschichte! Der Geschichte des IRONMAN Hawaii’s, der Weltmeisterschaften.

Über eines solltest du dir allerdings schon Gedanken machen. Wie kommst du ins Wasser? Der Einstieg am „Dig Me“ Beach ist schmal, und nur ein, zwei Athleten können gleichzeitig in das Wasser gehen. Einmal im Wasser ist es nicht unbedingt gemütlicher. Der Strandabschnitt ist nur sehr klein. Keine 2.000 Athleten finden hier Platz. Und wenn um Punkt 07:00 Uhr die Kanone den Start der Age Grouper einläutet, warten die ersten Athleten schon seit mehreren Minuten schwimmend an der Startlinie etwa 100 Meter im Meer darauf, endlich losgelassen zu werden. Aber die Warterei im Wasser kostet auch Kraft.

Das Schwimmen:

Kein Schwimmkurs ist vergleichbar mit jenem des IRONMAN Hawaii. Das Wasser ist warm und klar. Einzig die Brandung und höherer Wellengang können den Genuss trüben. Fast auf der gesamten Schwimmstrecke sieht man den Grund und zahlreiche bunte Fische unter einem Schwimmen – in den meisten Fällen sind sie allerdings schneller als Du 😉

Nur die besten der Besten Athleten stehen in Kona an der Startlinie – entsprechend geht es auch beim Schwimmen zu. Auch wenn es nach einem „harmlosen“ Schwimmen aussieht – die erste Richtungsboje wartet erst nach knapp 1.000 Meter auf dich, so geht es doch zu wie in einer Waschmaschine. Einmal eine gute Gruppe gefunden, ist das Schwimmen aber sehr fein. Es gleicht dann unter umständen einem langen Dauerlauf in der Gruppe oder einer Gruppenradausfahrt da doch fast alle Athleten ein ähnliches Leistungsniveau haben.

Vor allem das Zurückschwimmen zum Pier kann aufgrund der Strömung eine mentale Herausforderung werden. Auf zwei Meter vorwärts folgt ein Meter retour. Aber hey – die Bedingungen sind für alle Athleten gleich und schliesslich geht es ja auch um die Erfahrung!

Das Radfahren:

180 Kilometer – 90 Kilometer in eine Richtung und 90 Kilometer retour. Nein, so leicht kann man die Radstrecke auf Big Island nicht beschreiben. Bei der Besichtigung der Strecke habe ich diese in fünf Streckenabschnitte unterteilt.

    • Aufwärmen
      Die ersten Kilometer führen durch Kailua Kona und dienen dem Aufwärmen. Für ernsthafte Attacken ist es zu früh, die Strecke ist abwechslungsreich beinhaltet ein paar kleinen Schupfen. Alle Athleten versuchen, einen guten Rythmus zu finden – Überholmanöver gibt es selten. Man sollte allerdings bereits hier darauf achten, den korrekten Abstand zum Vordermann zu halten, denn die Kampfrichter sind besonders in der Anfangsphase des Bewerbes sehr korrekt.
    • Rock“n“Roll bis Waikoloa
      Einmal am Queen K Highway angekommen heisst es „Rock“n“Roll“. Der Straßenbelag ist ausgezeichnet, die Beine fühlen sich frisch an und der Wind kommt von hinten. Kopf nach unten und „gib ihm“ lautet die Devise – aber behalte immer im Hinterkopf, dass auch noch anspruchsvollere Passagen kommen.

      Links und Rechts von dir herrscht Stille. Einzig das Surren der Hinterräder der Athleten ist zu hören. Der Strasse entlang ziehen sich ausgekühlte Lavafelder die einer Mondlandschaft gleichen.

      Aber Achtung: Auch wenn es schön dahin rollt, es fühlt sich zwar locker an – aber hier werden Wettkämpfe bereits verloren. Wer sich auf den ersten Kilometern allerdings zurück hält, wird gegen Ende der Radstrecke der Lachende sein und all jene Konkurrenten wieder einholen, die er zuvor ziehen hat lassen.

    • Der Anstieg nach Hawi
      Nach Waikoloa folgen einige scharfe aber kurze Anstiege und Abfahrten. Nach einem Kreisverkehr führt dich eine längere Abfahrt zum Ausgangspunkt des 12 Meilen langen Anstieges nach Hawi – einem unscheinbaren aber wunderschönem Ort. Die „Kilometermarkierungen“ zeigen dir, wie lang der Anstieg noch ist und kommen immer langsamer näher. Auf den letzten 5 Meilen nach Hawi ist nicht mehr die Steigung dein Gegner sondern vor allem der Wind, der von vorne bzw. der Seite bläst. Starker Wind! So manche leichtgewichtige Athletin hat hier Probleme, dem Strassenverlauf zu folgen.

      Der Seitenwind ist hier besonders tückisch und kann mitunter sehr sehr hart sein. Versuche in diesem Abschnitt in Aeroposition zu bleiben und möglichst nicht nach links oder rechts zu blicken, denn der Wind holt sich ansonsten deinen Aerohelm.

    • Fast & Furious
      180 Grad Kehre in Hawi und dann geht es los. Nach einem kurzen Anstieg geht es zurück. Jenen Abschnitt, den du zuvor nach Hawi hinauf gekämpft hast, fliegst du nun hinunter. Mit starkem Rückenwind kannst du deine Beine etwas ausruhen. Achte allerdings zwischen den Erd- und Lavahügeln darauf, dass dich keine Windboe versetzt. Der letzte Anstieg zum Kreisverkehr kann dann allerdings wieder sehr lange werden. Bei entsprechendem Gegenwind kann der Tacho auch das eine oder andere mal einstellige Geschwindigkeiten anzeigen.
    • Gegenwind!
      Zurück in Waikoloa fühlen sich die Beine wieder gut an. Nach der Abfahrt, nach dem Anstieg sind sie wieder etwas frischer. Aber ab hier beginnt das Rennen am Rad erst so wirklich. Michael Raelert musste hier 2012 feststellen, überzockt zuhaben und „rollte“ nur mehr zurück nach Kailua Kona.

      Die letzten etwa 25 Meilen sind wieder flach und ident mit den ersten 25 Meilen. Die Kilometermarkierungen am Streckenrand zeigen dir an, wie lange der Weg noch zurück ist. Einmal beim Flughafen angekommen, freut man sich schon auf die zweite Wechselzone – allerding ist es noch ein weiterer Weg dorthin. ABER: Die Bedingungen sind für alle gleich. Kopf runter und durch! Nach dem Wettkampf werden alle Athleten die gleichen Geschichten über den Wind erzählen. „Es war einfach brutal“ – das ist alles, was in den Köpfen der Athleten von der Radstrecke bleibt. Dass es zuvor Richtung Waikoloa und danach von Hawi bis Waikoloa richtig schnell rollte, daran mag sich keiner mehr so wirklich erinnern.

Das Laufen:
Nach der zweiten Wechselzone kommt man sich plötzlich wie in einer Sauna vor. Erstmalig wird die Hitze und Luftfeuchtigkeit einem so richtig bewusst. Nachdem einen zuvor der Wind gekühlt hat, erlebt man nun die brutalen Auswirkungen der direkten Sonneneinstrahlung. Am ersten Halbmarathon läuft man in die entgegengesetzte Richtung des Queen K Highways am Alii Drive entlang am Meer durch Kailua Kona. Hier bietet sich noch das eine oder andere schattige Plätzchen und zahlreiche Zuschauer warten entlang der Strasse. Nach etwa 6 Meilen – kurz nach einer schönen romantischen blauen Kirche auf der rechten Seite am Strand – folgt der Wendepunkt. Zurück in Kailua Kona wartet der Palani Drive. Der Anstieg verleitet zu einer Pause bei Burgerking, doch den sollte man sich für nach dem Bewerb aufheben. Was im Fernsehen wie ein kleiner Hügel aussieht, ist in Wirklichkeit eine „Mauer“ die sich vor einem auftürmt. Danach geht es wieder entlang des Queen K Highways Richtung Flughafen und Energy Lab. Auf der Gegenfahrbahn sieht man noch die Athleten mit dem Rad am Weg in die zweite Wechselzone. Während man in das Energy Lab hinein leicht bergab läuft, muss man diesen Weg auch wieder heraus wählen und kämpft dabei gegen den „Anstieg“ (im Normalfall nicht der Rede wert, aber zu diesem Zeitpunkt eine kleine Bergwertung) und den heissen Gegenwind. Hügelig geht es danach wieder zurück in die Stadt und ins Ziel!

Das Ziel:
Geniesse die letzte Meile! Sie hat es in sich – Emotionen pur! Du hast so hart dafür trainiert, bist tausende Kilometer im Flugzeug gesessen und hast nur für diesen einen Moment im Jahr trainiert.

HERZLICHEN Glückwunsch – JA, „YOU ARE AN IRONMAN“ – Herzlich Willkommen im Club!

Ab sofort ist Erholung angesagt. Geniesse jeden Moment auf der Insel und sauge die Emotionen auf.

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Stefan Leitner

Stefan Leitner hat sich sein Leben lang dem Sport verschrieben – in aktiver wie in passiver Funktion. Als aktiver Age Group Triathlet konnte er sich mehrmals für den IRONMAN Hawaii qualifizieren und internationale Medaillen in seiner Altersklasse gewinnen.

Er ist Inhaber und Geschäftsführer der Sport und Event Agentur Leitner.

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