Challenge Forte Village
Triathlon Szene Österreich

Luipersbeck bei Norseman Extremtriathlon am Start

Lydia Waldmüller belegte im Vorjahr beim Norseman Extremtriathlon Rang 2.  Mit Michael Luipersbeck war heuer ein Österreicher am Start, der seinen Wettkampfbericht mit uns teilt:

PRE-RACE. Unser Tag begann, nach ein paar spärlichen Stunden Schlaf, um 2 Uhr Morgens. Frühstücken, die letzten Sachen packen, Zimmer räumen. Die Verpflegung-Strategie hatten wir am Vortag bereits besprochen und das Auto entsprechend beladen. Ich zog mir den Neo bereits hüfthoch an und präparierte diverse, empfindliche Körperteile großzügig mit Vaseline. Das galt zum einen, um im Wasser (15°C) etwas Kälteschutz zu haben und zum anderen, um gegen unangenehme Abschürfungen vorzubeugen. Um 4 Uhr morgens legte dann die Fähre, beladen mit 263 aufgeregten Triathleten, ab. Ziel: Schwimmstart, 3,8 km vor Eidfjord. 

SWIM & ERSTER WECHSEL. Nach ca. 30 Minuten Fahrtzeit stoppte die Fähre. Die Mischung aus Respekt, Vorfreude und Ehrfurcht unter den Startern ergab, hinsichtlich der bevorstehenden “Reise”, eine beeindruckende Gesamtstimmung. Die Rennorganisation kündigte eine leichte Gegenströmung an. Ich war bereits darauf eingestellt, dass das Schwimmen dadurch etwas länger dauern könnte. Kurz vor 5 wurde die Verladeklappe geöffnet und gab einen wundervollen Blick auf die Dämmerung im Fjord frei. Die Anspannung stieg somit noch mehr und die Athleten begannen sich aufzureihen. Mit einem befreienden Sprung über 3 Meter ging es dann ins kalte, klare Wasser. Mit dem Schiffshorn wurde pünktlich um 5 Uhr Früh der Start freigegeben. Der erste Abschnitt des Rennens verlief für mich stressfrei. Ich genoss jeden Zug und den Blick auf die steilen Felswände des Fjords, der sich bei jedem Atemzug bot. Nach 1h 4min 33sec stieg ich mit einem fetten Grinsen im Gesicht aus dem Wasser. Ich freute mich, meine Support-Crew in der ersten Wechselzone wieder zu finden. Jetzt galt es, mich für die 180 Radkilometer mit 3.000 Höhenmetern bereit zu machen.

BIKE. Die Wetterprognose für die 180 km lange Radstrecke war nicht sehr positiv: Starker Gegenwind auf den ersten 70 km und später Gewitter mit Nebel. Am ersten langen Anstieg (1.200 HM) nach Dyranut hielt ich mich, wie geplant, stark zurück. Viele Athleten zogen hier an mir vorbei. Ich dachte mir aber stets, dass ich die meisten von ihnen später wieder sehen werde 😉 
Das Blatt wendete sich jedoch schneller als erwartet. Am Hardangervidda-Plateau startete die Aufholjagd und ich machte Platz um Platz gut. Meine Support-Crew war laufend um mein Wohlergehen bemüht. Ich freute mich jedes Mal, wenn ich Laura und Christoph am Strassenrand erblicken konnte. Sie versorgten mich mit aufgefüllten Radflaschen, Gels und der nötigen Schlechtwetterkleidung. Die Landschaft entlang der Strecke ist atemberaubend schön. Das Wetter machte die Ausblicke noch dramatischer. Es ging vorbei an Wasserfällen, Gletscherfeldern, zahllosen Seen und Flüssen. Die Zeit verging wie im Flug. 
Auf dem letzten der fünf langen Anstiege verschlechterte sich das Wetter noch weiter. Die Wolken hingen beängstigend weit herab und ich wartete nur noch darauf, eine ordentliche Outdoor-Dusche zu bekommen. Ich musste nicht lange warten und die letzten 40 km waren eine ziemlich nasse und kalte Angelegenheit. Nichts desto trotz konnte ich weitere Athleten einholen und fühlte mich immer besser. Keine Magenbeschwerden, Krämpfe oder sonstige “Triathlon-Leiden” suchten mich während der 6h 45 min langen Reise durch eine der beeindruckendsten Landschaften Norwegens heim. Fast wehmütig erreichte ich die zweite Wechselzone in Austbygde. Nächster Abschnitt: 42,2 Laufkilometer mit Ziel Gipfel Gaustatoppen, auf fast 1.900 m. 

Anmerkung zur Radstrecke: Auf den gesamten 180 km habe ich keinen Windschatten-Fahrer (“Lutscher”) gesehen. So soll Triathlon sein!

RUN! Nach beinahe 8 Stunden Renndauer ging es in die zweite Wechselzone. Laura und Christoph erwarteten mich mit großer Freude, da sie wussten, dass es mir sehr gut geht. Mit ein paar Lachern und guten Mutes tauschten wir die Radschuhe gegen die Laufschuhe und ich machte mich auf den Weg.


Exkurs: Mitte Juni war ich in einen Radunfall verwickelt. Mir wurde die Vorfahrt genommen und ich crashte ungebremst mit fast 35 km/h in die Seite eines Golfs. Ich konnte dann 3 Wochen kein Lauftraining absolvieren und war dementsprechend zurückhaltend. Vor dem Marathon hatte ich daher besonderen Respekt. Puls 150 auf den ersten 25 km und kein Schlag mehr, war meine Vorgabe. Als eher schlechter Läufer bin ich es gewohnt, in der Abschlussdisziplin im Triathlon “überlaufen” zu werden. Dieses mal war das anders. Ich wurde zwar von ein paar Athleten überholt, konnte aber im Gegenzug sogar einige Plätze gut machen. Die ersten 25 km des Marathons werden als “flach” bezeichnet. Das sind sie jedoch keineswegs. Es ist ein ständiges auf und ab, bevor es dann bis ins Ziel 1.700 Höhenmeter bergauf geht.



Gegen Ende des “Flachstückes” freute ich mich schon auf den Anstieg und den anderen Bewegungsablauf. 
Der erste Teil des Anstiegs wird “Zombie Hill” genannt. Warum? Weil da alle so hochwackeln, wie Zombies und nur sehr wenige Athleten hier laufend unterwegs sind. Ab diesem Punkt war es auch erlaubt, dass man von seiner Support-Crew ständig begleitet wird. Christoph und ich bildeten somit das wahrscheinlich stärkste burgenländische Uphill-Duo, dass es bis dato gab. Die Kilometer verflogen und bei mir machte sich noch kein Anzeichen von Schwäche bemerkbar. Angespornt von den aufbauenden Zurufen meiner Freundin Laura ging es Meter um Meter dem Gipfel des Gaustatoppen entegegen.


Nach 37,5 km erreicht man einen Checkpoint. Hier wird die Strasse verlassen und man begibt sich auf einen steinigen, unwegsamen Trail. Ab hier gesellte sich Laura zu uns und wir waren zu dritt unterwegs. Ein unschlagbares Gespann. 
Nachdem die ersten Meter auf dem Trail zurück gelegt waren, legte sich bei mir ein Schalter um und ich begann noch stärker zu pushen. Ich überholte die führende Frau, die mit meinem Schritt nicht mithalten konnte. So ging es dann weiter, über immer steileres Gelände. Mittlerweile hatte auch sehr starker Nebel eingesetzt und es gab keine Orientierung wie weit es noch bis ins Ziel ist. 
Die letzten Höhenmeter ins Ziel konnte ich noch einen Sprint einlegen und überschritt mit großem Jubel die Ziellinie. Noch auf der Ziellinie konnte ich meine Liebe in den Arm nehmen und lange und leidenschaftlich küssen 🙂 Diesen Moment werde ich niemals vergessen. 


Unterm Strich: Auf die Laufperfomance – die 22. beste Laufzeit des Tages – bin ich  besonders Stolz. Das Gesamtergebnis ist für mich überwältigend. Heute, einen Tag nach dem Bewerb, scheint es für mich immer noch wie ein Traum. 12h 49min Rennzeit, die vergangen sind wie ein Wimpernschlag.

Norseman – du verkörperst die Seele des Triathlons.

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Stefan Leitner

Stefan Leitner hat sich sein Leben lang dem Sport verschrieben - in aktiver wie in passiver Funktion. Als aktiver Age Group Triathlet konnte er sich mehrmals für den IRONMAN Hawaii qualifizieren und internationale Medaillen in seiner Altersklasse gewinnen. Er ist Inhaber und Geschäftsführer der Sport und Event Agentur Leitner.
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