Für den früheren Kurzdistanz-Doppelweltmeister Vincent Luis ist es der größte Erfolg seiner beeindruckenden Karriere – und gleichzeitig sein allererster Sieg über die 226 Kilometer überhaupt. Weder in Frankfurt, Texas noch in Roth hatte es das Kraftpaket zuvor aufs Podium geschafft. Auf Big Island passte nun alles zusammen.
 

„Das war ein verrückter Tag, die letzten Meter waren extrem hart“, erklärte ein völlig verausgabter Luis im Zielbereich, wo er andeutete, dass dies möglicherweise das letzte Rennen seiner Karriere gewesen sein könnte.

 

Taktikspiele beim Schwimmen & Schomburgs Mut-Attacke

Schon beim Auftakt im Pazifik ging es richtig zur Sache. Nach dem Startschuss um 6:20 Uhr Ortszeit bildete sich bei welligen Bedingungen schnell eine rund 20 Athleten starke Spitzengruppe. Entgegen der im Vorfeld viel zitierten „WhatsApp-Taktik“, mit der Jonas Schomburg und Jamie Riddle die Favoriten Sam Laidlow und Kristian Blummenfelt früh unter Druck setzen wollten, blieben die Top-Namen im Wasserschatten entspannt dabei. Als Erster stieg der Belgier Marten Van Riel nach 48:17 Minuten aus dem Wasser. Hawaii-Champion Gustav Iden und Radspezialist Magnus Ditlev verloren hingegen fast zwei Minuten.

 

Auf dem Rad übernahm zunächst der Niederländer Menno Koolhaas die Führung, ehe Jonas Schomburg das Zepter in die Hand nahm. Mit einer mutigen Attacke setzte sich der Deutsche ab und fuhr auf dem Queen K. Highway in Richtung Hawi bis zu zwei Minuten Vorsprung heraus.

 

Dahinter formierte sich eine Verfolgergruppe um Laidlow, Matthew Marquardt und Gregory Barnaby. Unterdessen stürmte Magnus Ditlev nach schwachem Schwimmen unaufhaltsam durch das Feld nach vorne.

 

Bitteres Aus für Patrick Lange

Auf dem Rückweg von Hawi zollte Schomburg seinem enormen Tempo Tribut und wurde durchgereicht. Noch bitterer verlief der Tag jedoch für den dreifachen Hawaii-Champion Patrick Lange: Bei Kilometer 65 musste der Deutsche wegen Oberschenkelkrämpfe anhalten. Trotz massiver Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr ging nichts mehr. In Hawi stieg Lange unter Tränen endgültig aus dem Rennen aus.

 

„Ich hatte Krämpfe, die einfach nicht aufhören wollten. Ein Marathon war heute unvorstellbar“, zeigte sich Lange im ZDF-Interview geknickt, betonte aber: „Auf lange Sicht werden die Erfolge dieses DNF überstrahlen.“

 

Drama auf der Laufstrecke: Das große Favoritensterben

Als Erster erreichte Magnus Ditlev trotz einer gebrochenen Flaschenhalterung am Lenker nach 4:06:47 Stunden Radzeit die T2. Dahinter folgten ein leicht humpelnder Sam Laidlow (+1:30 Min.), Marquardt und Barnaby (beide kassierten Zeitstrafen). Kristian Blummenfelt lag 6 Minuten zurück, Iden nach einer Drei-Minuten-Strafe sogar über 9:30 Minuten.

 

Auf den 42,2 Kilometern entlang der Hitze von Kona entwickelte sich der Marathon zum puren Ausscheidungsrennen:

 

  • Sam Laidlow musste früh mit Muskelproblemen aufgeben.
  • Kristian Blummenfelt stürmte zwischenzeitlich bis auf Rang zwei nach vorne, brach ab Kilometer 26 jedoch komplett ein und rettete sich nur als Achter ins Ziel.
  • Magnus Ditlev führte lange, kämpfte nach dem Energy Lab jedoch sichtlich entkräftet mit dem Ausstieg und musste schließlich stehend K.o. aufgeben.

Luis behält die Nerven – Idens Fabel-Aufholjagd kommt knapp zu spät

Rund zehn Kilometer vor dem Ziel nutzte Vincent Luis die Gunst der Stunde und schob sich an Ditlev vorbei an die Spitze. Doch von hinten flog Gustav Iden heran: Der Norweger brannte mit 2:36:58 Stunden den schnellsten Marathon des Tages auf den Asphalt und verkürzte den Rückstand Sekunde um Sekunde.

 

Am Ende rettete Luis jedoch 40 Sekunden seines Vorsprungs ins Ziel. Hinter dem strahlenden Sieger belegten Gustav Iden (+1:30 Min.) und der bärenstarke US-Amerikaner Matthew Marquardt die Ränge zwei und drei.

 

Jonas Schomburg kämpfte sich nach seinen Problemen auf dem Rad zurück und belegte bei seinem Hawaii-Debüt als bester Deutscher einen respektablen siebten Platz.

 

Ergebnisauszug Ironman Hawaii (Top 8):

  1. Vincent Luis (FRA) – 7:47:27 Std.
  2. Gustav Iden (NOR) – +1:30 Min.
  3. Matthew Marquardt (USA) – +2:30 Min.
  4. Gregory Barnaby (ITA)
  5. Pierre Le Corre (FRA)
  6. Sam Long (USA)
  7. Jonas Schomburg (GER)
  8. Kristian Blummenfelt (NOR)