Ein prägendes, polarisierendes und zweifellos extrem erfolgreiches Kapitel des österreichischen Triathlonsports geht zu Ende: Michael „Michi“ Weiss zieht den Schlussstrich unter seine lange Profikarriere. Über zwei Jahrzehnte war der Gumpoldskirchener fester Bestandteil der internationalen Ausdauersportszene – zuerst auf dem Mountainbike, danach auf den Langdistanzen dieser Welt. Seine Karriere hinterlässt eindrucksvolle Zahlen, aber auch Schattenseiten, die in der Rückschau untrennbar mit seinem Namen verbunden bleiben.
Der Weg an die Weltspitze & Große Erfolge
Seine sportlichen Wurzeln hat Weiss im Mountainbikesport. Highlight seiner ersten Karrierephase war der Staatsmeistertitel im Cross Country (2004) sowie die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen.
Der endgültige Durchbruch im Multisport gelang ihm nach dem Wechsel zum Triathlon:
- XTERRA-Weltmeister (2008): In Maui (Hawaii) krönte er sich zum ersten österreichischen Weltmeister im Cross-Triathlon.
- Seriensieger auf der Langdistanz: Über die Jahre sammelte Weiss zahlreiche Titel über die IRONMAN-Distanz. Unvergessen bleiben seine Siege beim IRONMAN Cozumel (den er gleich dreimal für sich entschied) sowie Erfolge beim IRONMAN Austria in Klagenfurt.
- Rad-Dominanz: Auf dem Rad gehörte Michi Weiss über Jahre hinweg zur absoluten Weltspitze des Triathlonsports. Briketts auf den Pedalen, enormer Druck und aggressive Rennstrategien prägten sein Markenzeichen. Mehrfach stellte er Radstreckenrekorde auf und mischte bei der IRONMAN World Championship auf Hawaii in der Weltspitze mit.
Das Schattenkapitel: Doping und die zweijährige Sperre
Kein Porträt über Michael Weiss ist vollständig ohne den Blick auf die dunklen Jahre seiner Laufbahn. Seine Karriere war stark geprägt von den Nachwehen der „Blutbank-Affäre“ um das Wiener Labor Humanplasma.
- Schutzsperre 2007: Bereits 2007 geriet Weiss wegen auffälliger Blutwerte erstmals in die Schlagzeile.
- Sperre 2011: Nach einem jahrelangen juristischen Tauziehen hob die Unabhängige Schiedskommission (USKW) im November 2011 ein vorheriges Freispruch-Urteil auf. Weiss wurde wegen der Entnahme von Blut zur Verabreichung von Blutdoping (aus seiner Mountainbike-Zeit 2005/2006) für zwei Jahre gesperrt.
Weiss beteuerte stets seine Unschuld, verzichtete jedoch auf den Weiterzug an den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) und saß die Sperre ab.
Das Comeback und späte Transparenz
Nach Ablauf der Sperre Ende 2013 kehrte Weiss eindrucksvoll in den Zirkus zurück. Direkt beim Comeback-Rennen feierte er Siege und etablierte sich erneut als Siegkandidat bei internationalen IRONMAN-Bewerben. Von Teilen der Szene und Medien wurde sein Comeback stets kritisch beäugt – die Altlasten reisten auf jedem Kilometer mit.
In den späteren Jahren seiner Karriere bemühte sich Weiss aktiv um Aufklärung und Vertrauen: Als einer der wenigen Profis schloss er sich Initiativen zur Offenlegung von Testdaten an und veröffentlichte 2020 lückenlos all seine Dopingtest-Ergebnisse seit dem Jahr 2010.
Fazit: Ein Sportler, der spaltete
Michael Weiss hinterlässt ein komplexes Erbe. Sportlich gab es wenig Athleten in Österreich, die über einen so langen Zeitraum hinweg internationale Top-Ergebnisse auf der Langdistanz abliefern konnten. Gleichzeitig bleibt seine Laufbahn Mahnmal für die Aufarbeitung der Doping-Vergangenheit des österreichischen Ausdauersports.
Wir von trinews wünschen Michi Weiss für seinen neuen Lebensabschnitt nach dem Leistungssport alles Gute.