Ekoi
Triathlon Szene Österreich

Herlbauer fixiert WM Teilnahme: Kienle und Crowley siegen

Der Druck war Sebastian Kienle noch am Donnerstag auf der offiziellen Pressekonferenz eigentlich nicht anzumerken. Nach 7 Stunden, 41 Minuten und 42 Sekunden fiel am Sonntagnachmittag dann aber doch eine immense Last vom neuen und alten IRONMAN-Europameister ab: „Ich muss mich jetzt erst einmal hinlegen“, gestand der 33-jährige Kienle unmittelbar nach dem Zieleinlauf. „Die Angst vor Andi Böcherer und Patrick Lange hat mich beim Laufen angetrieben. Ich habe immer probiert, früh Tatsachen zu schaffen. Aber es wurde den ganzen Tag über nicht einfacher.“

Der IRONMAN European Champion von 2014 und 2016 überquerte als erster Athlet die Ziellinie auf dem Frankfurter Römer und fand nach kurzer Verschnaufpause auf dem Zielteppich dann doch seine gewohnte Lockerheit wieder: „Die Gefühle sind jetzt noch frisch, aber ich muss sagen, dass der dritte Sieg hier der beste war.“

Nach einer mäßigen Performance auf der Schwimmstrecke im Langener Waldsee, die vom starken Schwimmer Lukasz Wojt dominiert wurde, lieferte sich Kienle auf dem Rad ein spektakuläres Duell mit Konkurrent und Trainingspartner Andi Böcherer.

Die beiden Deutschen wechselten wie schon im Vorjahr nahezu zeitgleich auf die Marathon-Laufstrecke, wo Kienle seiner Linie treu blieb und dem Verfolger Böcherer zunehmend davonlief. Nach einer konstant starken Laufleistung machte der Vorjahressieger seinen dritten Sieg in Frankfurt in einer Zeit von 07:41:42 perfekt.

„Der Sebi ist halt der Sebi – der ist ein Büffel. Das Rennen war auf der Laufstrecke früh entschieden. Das macht es so schwer. Du musst die Strecke meistern, ohne dass dich jemand an deiner Seite pusht“, attestierte Andi Böcherer direkt nach Zieleinlauf. Von Unzufriedenheit konnte bei Böcherer aber keine Spur sein: „Die Finishline ist der Hammer. Das gibt einem nochmal einen wahnsinnigen Kick.“ Den dritten Platz hinter Böcherer (07:46:07) sicherte sich der Schwede Patrik Nilsson in 07:50:16.

Patrick Lange kam bei seinem Heimspiel als Sechster unter Schmerzen ins Ziel. „Ich bin froh, dass ich im Ziel bin. Nach den ersten 20 Kilometern auf der Laufstrecke habe ich nicht geglaubt, dass ich es schaffe. Ich hatte Schmerzen, bin jetzt aber einfach stolz.“

Sarah Crowley holt nächsten Titel

Ein packendes Duell gab es auch beim Rennen der Damen. Die amtierende IRONMAN Asia-Pacific-Meisterin Sarah Crowley konnte am Ende auch die Europameisterschaft in 8:47:58 Stunden für sich entscheiden: „Das war ein verrücktes Rennen. Ich bin sprachlos. Es war wirklich ein perfekter Tag für mich, sonst gewinnt man vier Wochen nach einem IRONMAN-Sieg nicht gleich das nächste Rennen. Kompliment auch an Lucy, sie hat mich wirklich bis an meine Grenzen gebracht.“

Die erst 23-jährige Lucy Charles hatte das Frauenfeld nach starker Leistung auf Schwimm- und Radstrecke bis Kilometer 22 auf dem Laufkurs angeführt, dann aber die Führung an die laufstarke Australierin Crowley abgeben müssen.

Für Charles reichte es dennoch am Ende für einen eindrucksvollen zweiten Platz. Den dritten Platz auf dem Podium sicherte sich die Belgierin Alexandra Tondeur. Als beste Deutsche auf Platz 6 kam Sonja Tajsich in 09:07:51 ins Ziel.

„Auch wenn Kona so gut wie sicher war, wollte ich unbedingt in den  ersten Cut Off  für die Weltmeisterschaft – und ich wusste, durch meine bisherigen Leistungen würden eine top10 Platzierung  dafür reichen.“

Nachdem Michi Herlbauer am vergangenen Wochenende beim Heim-Ironman in Kärnten nach  120 Kilometern auf dem Fahrrad, an dritter Stelle liegend  aufgrund gesundheitlicher Probleme  abbrechen musste – ging sie heute, nur eine Woche später, bei der IRONMAN European Championship  in Frankfurt an den Start. „Mitte der Woche haben die Ärzte grünes Licht gegeben – gemeinsam mit meinem  Team habe ich dann  beschlossen, hier in Frankfurt zu starten.“

Unter praller Sonne, schweißtreibenden 32 Grad  und einem hochkarätig besetzten Starterfeld zeigte Michi Herlbauer ein solides  Rennen. Nach dem Schwimmen stieg die Salzburgerin als 6. auf das Rad – konnte rasch einen Platz gut machen und diese Position auch halten.

Als fünfte tauschte sie dann auch das Bike gegen die Laufschuhe: „Erst dachte ich, es würde der Lauf meines Lebens werde – dann wurde es fast ein Lauf um mein Leben“ Völlig entkräftet, aber glücklich und mit dem Hawaii-Ticket fix in der Tasche läuft Herlbauer als Gesamtfünfte mit einer Zeit von 09:05:09  ins Ziel. Lisi Gruber musste das Rennen leider vorzeitig beenden, nachdem sie sich in der ersten Wechselzone an der großen Zehe verletzt hatte.
Insgesamt gingen 2.850 Athletinnen und Athleten bei 31 Grad Außen- und 24 Grad Wassertemperatur am Langener Waldsee an den Start. Rund 250.000 Zuschauer verfolgten das Rennen.

Top 10 Women

1. Crowley, Sarah (AUS) 00:56:17 04:40:32 03:05:12 08:47:58
2. Charles, Lucy (GBR) 00:48:29 04:45:08 03:13:18 08:51:50
3. Tondeur, Alexandra (BEL) 00:59:25 04:49:48 03:04:47 08:59:55
4. Lyles, Liz (USA) 00:57:12 04:52:11 03:07:53 09:01:59
5. Herlbauer, MIchaela (AUT) 00:56:19 04:52:55 03:10:58 09:05:09
6. Tajsich, Sonja (GER) 01:05:31 04:49:48 03:07:05 09:07:51
7. Duke, Dimity-Lee (AUS) 00:59:48 04:48:57 03:14:37 09:08:54
8. Beranek, Anja (GER) 00:53:10 04:49:16 03:40:49 09:27:43
9. Tastets, Pamela (CHI) 00:59:24 05:01:50 03:25:11 09:33:17
10. Li, Shiao-Yu (TPE) 01:06:11 05:04:01 03:21:18 09:37:10

Top 10 Men

1. Kienle, Sebastian (GER) 00:50:11 04:02:22 02:45:09 07:41:42
2. Boecherer, Andi (GER) 00:47:21 04:04:56 02:49:48 07:46:07
3. Nilsson, Patrik (SWE) 00:47:15 04:17:41 02:40:58 07:50:16
4. Cunnama, James (RSA) 00:48:54 04:09:25 02:48:49 07:51:02
5. Tutukin, Ivan (RUS) 00:48:58 04:15:41 02:42:40 07:51:56
6. Lange, Patrick (GER) 00:47:12 04:11:32 02:49:40 07:52:06
7. Albert, Marko (EST) 00:47:08 04:17:59 02:55:06 08:04:08
8. Scheltinga, Evert (NED) 00:50:03 04:15:21 02:55:47 08:05:13
9. Molinari, Giulio (ITA) 00:48:56 04:16:08 03:03:23 08:12:53
10. Koutny, Philipp (SUI) 00:50:10 04:15:09 03:07:10 08:16:43
Schlagworte
Ekoi

Stefan Leitner

Stefan Leitner hat sich sein Leben lang dem Sport verschrieben – in aktiver wie in passiver Funktion. Als aktiver Age Group Triathlet konnte er sich mehrmals für den IRONMAN Hawaii qualifizieren und internationale Medaillen in seiner Altersklasse gewinnen.

Er ist Inhaber und Geschäftsführer der Sport und Event Agentur Leitner.

Ähnliche Artikel

Close
X
X
X