Während die hauseigene App Garmin Connect bei vielen Athleten und Trainern seit Jahren für Stirnrunzeln sorgt, setzt Garmin nun zu einem strategischen Befreiungsschlag an. Durch die Übernahme der Trainingsplattformen TrainingPeaksund TrainHeroic vom bisherigen Mutterkonzern Peaksware schärft der Marktführer im Bereich der Sport-Gadgets sein Software-Portfolio massiv nach.Im Gegensatz zu Konkurrent Strava, der seinen Fokus stark auf Social-Media-Features legt, definieren sich die neu erworbenen Plattformen primär als professionelle Schnittstelle zwischen Coaches und Sportlern. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen.Die Giganten des Trainingsdaten-KosmosMit TrainingPeaks sichert sich Garmin eine Institution im Ausdauersport. Ende der 1990er-Jahre von Trainer-Legende Joe Friel und seinem Sohn Dirk gegründet, ist die Plattform aus dem Alltag von Triathleten, Läufern und Radsportlern nicht mehr wegzudenken.Besonders wertvoll für Garmin dürften die geschützten Leistungsmetriken sein:TSS (Training Stress Score): Die globale Kennzahl für Trainingsbelastung.NP (Normalized Power): Der Goldstandard zur Ermittlung der tatsächlich erbrachten Leistung auf dem Rad.Beide Kennzahlen entstammen dem TrainingPeaks-Ökosystem und gelten weltweit als maßgebliche Referenzwerte.Hyrox-Trend und Datenfutter für die KIDer zweite Zukauf, TrainHeroic (gegründet 2012), ist auf Krafttraining, Gewichtheben und Bodybuilding spezialisiert. Garmin positioniert sich damit auch strategisch im boomenden Bereich des Fitness-Trends Hyrox.Ein wesentlicher Nebeneffekt des Deals: Mit den Plattformen wandert ein gewaltiger Schatz an Userdaten zu Garmin. Nachdem die KI-generierten Trainingsvorschläge von Garmin bisher oft an der Praxis vorbeiliefen, könnten diese realen Trainingsdaten die Algorithmen künftig entscheidend verbessern.(Anmerkung: Musiklehrer-Apps wie MakeMusic, die ebenfalls zum Peaksware-Konzern gehörten, waren für Garmin verständlicherweise kein Thema).Das „Cirqa“-Armband: Garmin schielt auf die Whoop-KundschaftNur einen Tag vor dem Übernahme-Hammer enthüllte Garmin das bereits im Vorfeld geleakte Fitness-Armband Cirqa. Garmin zieht damit zog-gleich mit Herstellern wie Google (Fitbit Air) oder Polar (Loop) und zielt direkt auf die Kundschaft des Hype-Armbands Whoop ab – spricht jedoch gezielt Athleten an, die sich am umstrittenen Abomodell von Whoop stoßen.Die wichtigsten Eckdaten zum Garmin Cirqa:Konzept: Displayloses Armband für Sportler, die keine permanente Smartwatch am Handgelenk tragen wollen.Akkulaufzeit: Laut Garmin je nach Nutzung bis zu 10 Tage.GPS: Kein integriertes GPS – Streckenaufzeichnungen sind nur gekoppelt mit dem Smartphone möglich (ein klassischer Kompromiss bei dieser Geräteklasse).Preis: Mit 199 Euro Garmin-typisch im oberen Segment angesiedelt (Zum Vergleich: Fitbit Air ca. 99 Euro, Polar Loop ca. 149 Euro).Fazit aus Triathleten-Sicht: Garmin baut sein Ökosystem konsequent aus. Während das Cirqa-Armband vor allem für Regenerations- und Tracking-Liebhaber ohne Uhren-Wunsch interessant ist, könnte die TrainingPeaks-Übernahme die Trainingssteuerung für Triathleten mittelfristig revolutionieren.